„Seine Hoheit”

Lustspiel in drei Akten

von

Freiherr von Schlicht und Walter Turszinsky


Uraufführung am 6.Oktober 1907
und weitere Aufführungen im Bellevue-Theater zu Stettin am
8., 9., 10., 11., 13., 15., 16., 17., 18., 23., 25., 26., 29.Okt. 1907,
2., 6., 9., 13., 14., 21., 26.Nov. 1907, 20.Jan. 1908


Besetzungsliste:

Der regierende Fürst von Totzau-Kremmingen
Seine Hoheit, Erbprinz Hans Albrecht
Oberst Graf von Wettborn, Kommandeur eines Infanterie-Regiments
Matilde, seine Frau
Dagmar, beider Tochter
Baron von Scheideck, Rittergutsbesitzer a.D., Bruder der Gräfin
Konstanze, seine Tochter
Hauptmann Fedor von Stein, Adjutant des Erbprinzen
Leutnant von Dohlen, Adjutant des Grafen
Martin Dietrich, Journalist
Kristian Tewsen, Bursche beim Erbprinzen
Müller, Hausbursche im Hause des Grafen
Nanny, Zofe im Hause des Grafen
Bürgermeister
Ein Stadtverordneter
Eine Ordonnanz
Spielleitung:

Herr Willhain
Viktor Schwanneke-Willberg
Emil Jannings
Frl. Bünger
Frl. Schwartzkopf
Eugen Heiske
Frl. Heintze
Fritz Kidaisch

Reinhold Gollbach
Carl Elzer
Herr Simsch

Herr Meier


Dir. Gollbach


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„Volksbote (Stettin)” vom 5.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 7.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 10.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 24.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 25.11.1907

„Volksbote (Stettin)” vom 3.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Die Proben zur Uraufführung von „Seine Hoheit”, welche Sonntag Abend stattfindet, sind bereits im vollsten Gange. Die Regie hat Herr Direktor Gollbach. Freiherr von Schlicht (Graf Baudissin) wird der Premiere persönlich beiwohnen und trifft bereits morgen in Stettin ein, um an den letzten Proben teilzunehmen.


„Volksbote (Stettin)” vom 7.Oktober 1907:

Bellevuetheater.
Seine Hoheit.

Lustspiel in 3 Akten von Frhrn. v. Schlicht und Walter Turszinsky.

Die neuere deutsche Lustspiel-Literatur ist dürftig und arm. Selten ein Stück, das wahrhaftes Lachen auslöst, zumeist Durchschnittsware: seicht, leicht, witzelnd, zuweilen auch grob und mit rohen, unkünstlerischen Knalleffekten durchsetzt. Ein gutes Lustspiel soll doch erwarten lassen, daß ein Stück Leben mit heiterem Blick geschaut und mit humorvoller Hand gestaltet wird – doch wie spärlich wird dieser ersten Anforderung genügt.

Auch das vorliegende Erzeugnis einer anscheinend soeben etablierten neuen Lustspiel-Firma muß leider zur Gattung der oberflächlichsten Durchschnittsware gerechnet werden. Arm an guten, wirkungsvollen Einfällen, stumpfer, geistloser Witz – sofern überhaupt solcher vorgesehen – im Dialog, die Situationskomik notdürftig nach alten Mustern abgeklatscht – so präsentiert sich dieser bombastisch angekündigte neue „Schlager” als ziemlich langweiliges und ödes Machwerk, von dem im Interesse des guten Geschmacks nur gewünscht werden muß, daß es nicht mehr oft das Rampenlicht erblicken möge.

Übrigens, der Inhalt des Stückes läßt sich schon im ersten Akt totsicher erraten, denn die im Vordergrunde stehenden Personen – drei Liebespärchen – sind dort mit solcher rührenden Herzenseinfalt gezeichnet, daß sich Leute, die nicht auf Einzelheiten neugierig sind, ruhig den Besuch der beiden letzten Akte schenken können. Doch ich bin den Lesern noch die Vorstellung der Liebespaare schuldig. Zuerst ein seiner lockeren Lebensführung wegen strafversetzter Leutnant, „Seine Hoheit” Erbprinz Hans, der Tochter seines Herrn Kommandeurs, Komteß Dagmar zuerst in „Freundschaft”, später in Liebe zugetan. (Papa Landesvater hat selbstredend für Jungen Vernunftheirat mit einer Prinzessin vorgesehen, will sich daher auf nichts anderes einlassen. Nachdem der edle Prinz aber etwas von Verzichtleistung auf hohe Stellung gemurmelt und die Kündigung der Kindesliebe in Aussicht gestellt, gibt der Alte, der zudem noch von einem guten Onkel bearbeitet wird, schließlich seine Einwilligung zur Liebesheirat.) Ebenso schmerzlos bekommt der Sittenwächter und Adjutant des Prinzen, ein magenkranker Rittmeister, eine Agrariertochter, die Medizin studiert, zur Frau. Und damit auch etwas fürs „Volk” geschieht, müssen auch die „gebildete” Zofe der Komteß und der Bursche der Hoheit ein Paar werden. Diese Geschichten könnten allerdings schon im ersten Akt abgemacht werden. Aber, du lieber Himmel, warum denn so stürmisch, denken die Verfasser, und so werden diese Pärchen in den Wald geschleppt, wo sie sich unter Blitz und Donner dann endlich fanden und das bei solchen Gelegenheiten übliche Gerede von Liebe, Ehe, Treue etc. beginnen.

Die Aufführung verriet in dem befriedigenden Zusammenspiel und der guten szenischen Einrichtung die sorgfältige Hand des trefflichen Regisseurs, Herrn Direktor Gollbach. Was die Einzelleistungen anbetrifft, so haben sich die Stückemacher vorzugsweise bei Herrn Schwanneke-Willberg und Frl. Schwartzkopf zu bedanken, welche dem Werk in aufopferndster Weise zu Hilfe kamen und dadurch den äußeren Erfolg herbeiführten. Herr Schwanneke-Willberg gab die allerdings sehr dankbare Rolle des Erbprinzen in so natürlicher und flotter Herausarbeitung, daß nur eine Stimme des Lobes herrschte. Frl. Schwartzkopf entzückte wieder allgemein durch ihr warmblütiges, frisches und herzgewinnendes Spiel. Überhaupt zeigten die Leistungen dieser begabten und sympathischen Künstlerin bisher Fleiß und eifriges Streben, die nur aufmunterndste Anerkennung verdienen. Das zweite Liebespaar, Herr Kiedaisch (Adjutant) und Frl. Heintze erreichte eine bequeme Mittelleistung. Den aus Hamburg gebürtigen Offiziersburschen Tewsen verkörperte Herr Elzer mit Erfolg in lebenswahrer und urwüchsiger Weise, brav unterstützt von seiner Nanny, die durch Frl. Kleist treffend wiedergegeben wurde. Herr Jannings (Oberst) ließ in Haltung und Sprache zu wünschen übrig, seine Gattin wurde durch Frl. Bünger in bester Weise dargestellt. Herr Reinhold Gollbach gab den „unparteiischen”, loyalen und ewig sensationshungrigen Reporter Dietrich in vorzüglicher Charakterisierung. In den kleineren Rollen waren noch Herr Willhain (Landesvater), Heiske (Onkel), Meier (Bürgermeister) und Simsch (Hausbursche) befriedigend tätig. Zum Schluß sei noch gebührend erwähnt, daß das Haus ausverkauft war und daß infolge des lauten Beifalls des harmlosen Teils unseres Sonntagspublikums die beiden Herren Verfasser schon nach dem ersten Akt aus der Kulisse heraustraten, als sich das nach dem zweiten Akt wiederholte, zogen sie auch Herrn Direktor Gollbach mit heraus.
– O.P. &ndash


„Volksbote (Stettin)” vom 8.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. „Seine Hoheit!” Das bei Presse und Publikum einen geradezu sensationellen Erfolg hatte und Stadtgespräch Stettin's ist, geht morgen Mittwoch sowie auch Donnerstag in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 9.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Donnerstag sowie auch am Freitag wird das neuste Lustspiel von Freiherrn v. Schlicht und Walter Turszinsky „Seine Hoheit” gegeben, welches nach seiner von seltenem großen Erfolge begleiteten Uraufführung sofort für Berlin und 34 andere Bühnen erworben wurde.


„Volksbote (Stettin)” vom 16.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag geht das Zugstück des Bellevue-Theaters „Seine Hoheit”, dessen großer Erfolg zum größten Teile der wirklich erstklassigen Darstellung zu verdanken ist, in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 26.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Heute Sonnabend findet die 16. Aufführung des zugkräftigen Lustspiels „Seine Hoheit” statt.


„Volksbote (Stettin)” vom 28.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Dienstag geht der zugkräftige Schlager des Bellevuetheaters „Seine Hoheit”, Mittwoch „Liselott” in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 31.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Freitag ist das erste große Jubiläum im Bellevuetheater unter der Direktion Gustav Gollbach: „Husarenfieber” zum 100. und letzten Male zu kleinen Preisen. Nach der Vorstellung geselliges Beisammensein im Saale. Am Sonnabend geht der neueste Schlager „Seine Hoheit” bereits zum 18. Male in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 2.November 1907:

Im Bellevue-Theater fand Freitag abend vor ausverkauftem Hause die 100. Aufführung des Lustspiels „Husarenfieber” statt. Die Vorstellung war abgerundet und taten alle Darsteller ihr bestes, so daß der Beifall des Hauses wohlverdient war. Die Damenwelt wurde vom Besitzer dadurch hocherfreut, daß jede Besucherin ein hübsches Blumenbouquett empfing: die Veranstaltung erhielt dadurch ein festliches Gepräge. – (Wochenspielplan.) Sonntag nachmittag: „Fräulein Josette – meine Frau”, abends: „Leo Lasso”. – Montag: „Alt-Heidelberg”. – Dienstag: „Liselott”. – Mittwoch: „Seine Hoheit”. – Donnerstag: „Nachtasyl”. – Freitag: „Leo Lasso”. – Sonnabend: „Seine Hoheit”.


„Volksbote (Stettin)” vom 4.November 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Dienstag wird „Liselott”, dessen Neueinstudierung ein großer Erfolg für das Bellevue-Theater ist, gegeben. Heinrich Stobitzer, der Verfasser von „Liselott”, wird dieser Aufführung beiwohnen. Morgen Mittwoch zum 19. Male „Seine Hoheit”, welches Stück bald sein erstes Jubiläum feiern wird.


„Volksbote (Stettin)” vom 19.November 1907:

Bellevue-Theater. Mittwoch (Bußtag) bleibt das Theater geschlossen. Donnerstag findet die 24. Aufführung des Schlagers „Seine Hoheit” statt.


„Volksbote (Stettin)” vom 18.Januar 1908:

Bellevue-Theater. Am Montag abend das unverwüstliche Lustspiel „Seine Hoheit” in der Premierenbesetzung bei kleinen Preisen.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 9.Oktober 1907:

Auswärtige Theater.
(Eigene Berichte.)

Stettin, 7.Oktober.          

Im Bellevuetheater fand gestern die Uraufführung des Lustspiels „Seine Hoheit” von Frhrn. v. Schlicht und Walther Turszinsky statt. „Neue Pfade” betreten darin die Herren Autoren in keiner Weise, im Gegenteil sind es zumeist alte liebe Bekannte, die wir begrüßen: der Erbprinz, etwas naiv, doch seelengut, und die einfache, muntere Komteß, die Tochter des Obersten beim Regiment, zu welchem der Erbprinz „strafversetzt” ist — zwei liebenswürdige Menschenkinder, die sich aneinander schließen in Freundschaft, wie sie glauben, in Liebe, wie sie später entdecken. Aber sie, Dagmar, hält die Vereinigung für aussichtslos und will entsagen, damit der Erbprinz die Prinzessin Olga heiratet, wie sein Vater es wünscht und worauf sein (äußerlich) grimmiger Adjutant immer hindrängt. Allein dieser Erbprinz erweist sich, was man nicht vermuten sollte, aus härterem Holze, denn üblich, geschnitzt und will lieber auf den Duodezthron verzichten, denn auf Dagmars Besitz, und so gibt der regierende Fürst schließlich seine Einwilligung zur Heirat. Das Ganze ist fein und sauber ausgeführt, mit einem starken Appell an das Gemüt. Die Aufführung war im allgemeinen angemessen, die Inszenierung glänzend; die Regie führte Direktor Gollbach.

R.S.          


„Bühne und Welt” Jahrgg. 1907/08, Seite 216:

Stettin.

Die Saison ist in vollem Gange, überall ein Hasten und Jagen nach Erfolg. Stadttheater und Bellevuetheater suchen sich gegenseitig den Rang abzulaufen. Das „Geschäft” der beiden kann nicht sehr blühen, es sind für das Stettiner Publikum zuviel der künstlerischen Darbietungen — namentlich auf dem Gebiet der Musik, der Konzerte. Das Bellevuetheater kündigt die 100. Aufführung des „Husarenfieber” an, das Stadttheater brachte Henry Bernsteins „Dieb” auf die Bretter, da kommt das Bellevuetheater mit gleich zwei Uraufführungen innerhalb drei Wochen! Am 6. Oktober hatte es einen echten Lustspielerfolg mit der Komödie „Seine Hoheit”, als deren Verfasser Walter Turszinsky und Freiherr von Schlicht zeichnen. Getreu dem Spruche „Lasset uns das Leben genießen” hat „Seine Hoheit”, der Erbprinz eines kleinen süddeutschen Staates, das Leben in vollen Zügen genossen, und zwar in der Residenz. Eine von seinem Vater beabsichtigte Verlobung „Seiner Hoheit” mit einer Prinzessin scheint nicht die Zustimmung „Seiner Hoheit” zu finden, und deshalb wird der Erbprinz nach einer kleinen Garnison versetzt, wo er mit aufrichtiger Courtoisie und ehrlichem Bedauern aufgenommen wird. Doch die Jugend kennt keinen Trübsinn. Der Erbprinz lernt die Tochter des Obersten seines Infanterie­regiments kennen und — er kam, sah und siegte. Da schneit die Figur des Fürsten, der auf sofortigen Abschluß der von ihm gewünschten Verlobung drängt, herein, es droht, dramatisch zu werden. Doch wozu hat man denn einen Onkel? Na also! Dieser erinnert den Fürsten an seine einstige Jugendliebe während der Studienzeit, die er aus Gründen der Thronfolge aufgeben mußte. Und schließlich stellt es sich heraus, daß die Jugendliebe des Fürsten die Mutter der Jugendliebe „Seiner Hoheit” ist. Der Fürst wird weich, gibt nach, die Verlobung des Erbprinzen mit der Tochter des Obersten ist perfekt und sie „kriegen” sich.

Die Personen sind in altbekannter Weise gezeichnet, ganz nach G. von Mosers Rezept. Der Plauderton ist außerordentlich frisch, der Humor sonnig, ohne alle Zweideutigkeiten. So konnten die beiden persönlich anwesenden Autoren wohl zehnmal an die Rampe treten.

W. M-r.          


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© Karlheinz Everts