„Seine Hoheit”

Lustspiel in drei Akten

von

Freiherr von Schlicht und Walter Turszinsky


Uraufführung am 6.Oktober 1907
und weitere Aufführungen im Bellevue-Theater zu Stettin am
8., 9., 10., 11., 13., 15., 16., 17., 18., 23., 25., 26., 29.Okt. 1907,
2., 6., 9., 13., 14., 21., 26.Nov. 1907, 20.Jan. 1908


Besetzungsliste:

Der regierende Fürst von Totzau-Kremmingen
Seine Hoheit, Erbprinz Hans Albrecht
Oberst Graf von Wettborn, Kommandeur eines Infanterie-Regiments
Matilde, seine Frau
Dagmar, beider Tochter
Baron von Scheideck, Rittergutsbesitzer a.D., Bruder der Gräfin
Konstanze, seine Tochter
Hauptmann Fedor von Stein, Adjutant des Erbprinzen
Leutnant von Dohlen, Adjutant des Grafen
Martin Dietrich, Journalist
Kristian Tewsen, Bursche beim Erbprinzen
Müller, Hausbursche im Hause des Grafen
Nanny, Zofe im Hause des Grafen
Bürgermeister
Ein Stadtverordneter
Eine Ordonnanz
Spielleitung:

Herr Willhain
Viktor Schwanneke-Willberg
Emil Jannings
Frl. Bünger
Frl. Schwartzkopf
Eugen Heiske
Frl. Heintze
Fritz Kidaisch

Reinhold Gollbach
Carl Elzer
Herr Simsch

Herr Meier


Dir. Gollbach


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„Volksbote (Stettin)” vom 5.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 7.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 10.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 24.10.1907
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„Volksbote (Stettin)” vom 25.11.1907

„Volksbote (Stettin)” vom 3.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Die Proben zur Uraufführung von „Seine Hoheit”, welche Sonntag Abend stattfindet, sind bereits im vollsten Gange. Die Regie hat Herr Direktor Gollbach. Freiherr von Schlicht (Graf Baudissin) wird der Premiere persönlich beiwohnen und trifft bereits morgen in Stettin ein, um an den letzten Proben teilzunehmen.


„Volksbote (Stettin)” vom 7.Oktober 1907:

Bellevuetheater.
Seine Hoheit.

Lustspiel in 3 Akten von Frhrn. v. Schlicht und Walter Turszinsky.

Die neuere deutsche Lustspiel-Literatur ist dürftig und arm. Selten ein Stück, das wahrhaftes Lachen auslöst, zumeist Durchschnittsware: seicht, leicht, witzelnd, zuweilen auch grob und mit rohen, unkünstlerischen Knalleffekten durchsetzt. Ein gutes Lustspiel soll doch erwarten lassen, daß ein Stück Leben mit heiterem Blick geschaut und mit humorvoller Hand gestaltet wird – doch wie spärlich wird dieser ersten Anforderung genügt.

Auch das vorliegende Erzeugnis einer anscheinend soeben etablierten neuen Lustspiel-Firma muß leider zur Gattung der oberflächlichsten Durchschnittsware gerechnet werden. Arm an guten, wirkungsvollen Einfällen, stumpfer, geistloser Witz – sofern überhaupt solcher vorgesehen – im Dialog, die Situationskomik notdürftig nach alten Mustern abgeklatscht – so präsentiert sich dieser bombastisch angekündigte neue „Schlager” als ziemlich langweiliges und ödes Machwerk, von dem im Interesse des guten Geschmacks nur gewünscht werden muß, daß es nicht mehr oft das Rampenlicht erblicken möge.

Übrigens, der Inhalt des Stückes läßt sich schon im ersten Akt totsicher erraten, denn die im Vordergrunde stehenden Personen – drei Liebespärchen – sind dort mit solcher rührenden Herzenseinfalt gezeichnet, daß sich Leute, die nicht auf Einzelheiten neugierig sind, ruhig den Besuch der beiden letzten Akte schenken können. Doch ich bin den Lesern noch die Vorstellung der Liebespaare schuldig. Zuerst ein seiner lockeren Lebensführung wegen strafversetzter Leutnant, „Seine Hoheit” Erbprinz Hans, der Tochter seines Herrn Kommandeurs, Komteß Dagmar zuerst in „Freundschaft”, später in Liebe zugetan. (Papa Landesvater hat selbstredend für Jungen Vernunftheirat mit einer Prinzessin vorgesehen, will sich daher auf nichts anderes einlassen. Nachdem der edle Prinz aber etwas von Verzichtleistung auf hohe Stellung gemurmelt und die Kündigung der Kindesliebe in Aussicht gestellt, gibt der Alte, der zudem noch von einem guten Onkel bearbeitet wird, schließlich seine Einwilligung zur Liebesheirat.) Ebenso schmerzlos bekommt der Sittenwächter und Adjutant des Prinzen, ein magenkranker Rittmeister, eine Agrariertochter, die Medizin studiert, zur Frau. Und damit auch etwas fürs „Volk” geschieht, müssen auch die „gebildete” Zofe der Komteß und der Bursche der Hoheit ein Paar werden. Diese Geschichten könnten allerdings schon im ersten Akt abgemacht werden. Aber, du lieber Himmel, warum denn so stürmisch, denken die Verfasser, und so werden diese Pärchen in den Wald geschleppt, wo sie sich unter Blitz und Donner dann endlich fanden und das bei solchen Gelegenheiten übliche Gerede von Liebe, Ehe, Treue etc. beginnen.

Die Aufführung verriet in dem befriedigenden Zusammenspiel und der guten szenischen Einrichtung die sorgfältige Hand des trefflichen Regisseurs, Herrn Direktor Gollbach. Was die Einzelleistungen anbetrifft, so haben sich die Stückemacher vorzugsweise bei Herrn Schwanneke-Willberg und Frl. Schwartzkopf zu bedanken, welche dem Werk in aufopferndster Weise zu Hilfe kamen und dadurch den äußeren Erfolg herbeiführten. Herr Schwanneke-Willberg gab die allerdings sehr dankbare Rolle des Erbprinzen in so natürlicher und flotter Herausarbeitung, daß nur eine Stimme des Lobes herrschte. Frl. Schwartzkopf entzückte wieder allgemein durch ihr warmblütiges, frisches und herzgewinnendes Spiel. Überhaupt zeigten die Leistungen dieser begabten und sympathischen Künstlerin bisher Fleiß und eifriges Streben, die nur aufmunterndste Anerkennung verdienen. Das zweite Liebespaar, Herr Kiedaisch (Adjutant) und Frl. Heintze erreichte eine bequeme Mittelleistung. Den aus Hamburg gebürtigen Offiziersburschen Tewsen verkörperte Herr Elzer mit Erfolg in lebenswahrer und urwüchsiger Weise, brav unterstützt von seiner Nanny, die durch Frl. Kleist treffend wiedergegeben wurde. Herr Jannings (Oberst) ließ in Haltung und Sprache zu wünschen übrig, seine Gattin wurde durch Frl. Bünger in bester Weise dargestellt. Herr Reinhold Gollbach gab den „unparteiischen”, loyalen und ewig sensationshungrigen Reporter Dietrich in vorzüglicher Charakterisierung. In den kleineren Rollen waren noch Herr Willhain (Landesvater), Heiske (Onkel), Meier (Bürgermeister) und Simsch (Hausbursche) befriedigend tätig. Zum Schluß sei noch gebührend erwähnt, daß das Haus ausverkauft war und daß infolge des lauten Beifalls des harmlosen Teils unseres Sonntagspublikums die beiden Herren Verfasser schon nach dem ersten Akt aus der Kulisse heraustraten, als sich das nach dem zweiten Akt wiederholte, zogen sie auch Herrn Direktor Gollbach mit heraus.
– O.P. &ndash


„Volksbote (Stettin)” vom 8.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. „Seine Hoheit!” Das bei Presse und Publikum einen geradezu sensationellen Erfolg hatte und Stadtgespräch Stettin's ist, geht morgen Mittwoch sowie auch Donnerstag in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 9.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Donnerstag sowie auch am Freitag wird das neuste Lustspiel von Freiherrn v. Schlicht und Walter Turszinsky „Seine Hoheit” gegeben, welches nach seiner von seltenem großen Erfolge begleiteten Uraufführung sofort für Berlin und 34 andere Bühnen erworben wurde.


„Volksbote (Stettin)” vom 16.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag geht das Zugstück des Bellevue-Theaters „Seine Hoheit”, dessen großer Erfolg zum größten Teile der wirklich erstklassigen Darstellung zu verdanken ist, in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 26.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Heute Sonnabend findet die 16. Aufführung des zugkräftigen Lustspiels „Seine Hoheit” statt.


„Volksbote (Stettin)” vom 28.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Dienstag geht der zugkräftige Schlager des Bellevuetheaters „Seine Hoheit”, Mittwoch „Liselott” in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 31.Oktober 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Freitag ist das erste große Jubiläum im Bellevuetheater unter der Direktion Gustav Gollbach: „Husarenfieber” zum 100. und letzten Male zu kleinen Preisen. Nach der Vorstellung geselliges Beisammensein im Saale. Am Sonnabend geht der neueste Schlager „Seine Hoheit” bereits zum 18. Male in Szene.


„Volksbote (Stettin)” vom 2.November 1907:

Im Bellevue-Theater fand Freitag abend vor ausverkauftem Hause die 100. Aufführung des Lustspiels „Husarenfieber” statt. Die Vorstellung war abgerundet und taten alle Darsteller ihr bestes, so daß der Beifall des Hauses wohlverdient war. Die Damenwelt wurde vom Besitzer dadurch hocherfreut, daß jede Besucherin ein hübsches Blumenbouquett empfing: die Veranstaltung erhielt dadurch ein festliches Gepräge. – (Wochenspielplan.) Sonntag nachmittag: „Fräulein Josette – meine Frau”, abends: „Leo Lasso”. – Montag: „Alt-Heidelberg”. – Dienstag: „Liselott”. – Mittwoch: „Seine Hoheit”. – Donnerstag: „Nachtasyl”. – Freitag: „Leo Lasso”. – Sonnabend: „Seine Hoheit”.


„Volksbote (Stettin)” vom 4.November 1907:

Bellevue-Theater. Morgen Dienstag wird „Liselott”, dessen Neueinstudierung ein großer Erfolg für das Bellevue-Theater ist, gegeben. Heinrich Stobitzer, der Verfasser von „Liselott”, wird dieser Aufführung beiwohnen. Morgen Mittwoch zum 19. Male „Seine Hoheit”, welches Stück bald sein erstes Jubiläum feiern wird.


„Volksbote (Stettin)” vom 19.November 1907:

Bellevue-Theater. Mittwoch (Bußtag) bleibt das Theater geschlossen. Donnerstag findet die 24. Aufführung des Schlagers „Seine Hoheit” statt.


„Volksbote (Stettin)” vom 18.Januar 1908:

Bellevue-Theater. Am Montag abend das unverwüstliche Lustspiel „Seine Hoheit” in der Premierenbesetzung bei kleinen Preisen.


„Pommersche Zeitung” vom 1.Oktober 1907:

Im Bellevuetheater findet am Dienstag die erste Wiederholung der Schwanknovität „Das Liebesnest” statt. — Mittwoch: „Alt-Heidelberg”. — Für Ende dieser Woche steht eines der interessantesten Theaterereignisse in Aussicht. Es ist dies die Uraufführung eines Stückes, dessen Verfasser einer der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands ist.


„Pommersche Zeitung” vom 2.Oktober 1907:

Im Bellevuetheater geht Mittwoch das stimmungsvolle Schauspiel „Alt-Heidelberg” in Szene. Donnerstag: „Fräulein Josette — meine Frau”. — Die interessante Uraufführung, die diesen Sonntag Abend stattfindet, ist ein Lustspiel und betitelt sich „Seine Hoheit”. Die Verfasser sind: Walter Turszinsky und Freiherr v. Schlicht (Graf Baudissin). Letzterer ist besonders durch das Lustspiel „Im bunten Rock” und seinen berühmten Roman „Erstklassige Menschen” den Theatern und Leserkreisen in guter Erinnerung.


„Pommersche Zeitung” vom 3.Oktober 1907:

Im Bellevuetheater geht am Donnerstag das reizende Lustspiel „Fräulein Josette — meine Frau” bereits zum 20. Male in Szene. Freitag: „Das Liebesnest”. — Die Proben zur Uraufführung von „Seine Hoheit”, welche Sonntag Abend stattfindet, sind bereits im vollsten Gange. Die Regie hat Herr Direktor Gollbach. Freiherr von Schlicht (Graf Baudissin) wird der Premiere persönlich beiwohnen und trifft bereits morgen in Stettin ein, um an den letzten Proben teilzunehmen.


„Pommersche Zeitung” vom 4.Oktober 1907:

Im Bellevuetheater wird am Freitag die Schwanknovität „Das Liebesnest” wiederholt, die stets einen großen Lacherfolg erzielt. Sonnabend bei kleinen Preisen die 90. Aufführung von „Husarenfieber”. — Der Uraufführung von „Seine Hoheit” am Sonntag Abend werden außer dem Autor Freiherrn von Schlicht (Graf Baudissin) mehrere Berliner Kritiker sowie auswärtige Theaterdirektoren beiwohnen.


„Pommersche Zeitung” vom 5.Oktober 1907:

Bellevuetheater. — Zu der am Sonntag Abend stattfindenden Uraufführung Freiherrn von Schlicht's und Walter Turszinsky's neuestem Lustspiele laufen täglich Telegramme ein, die das Eintreffen von auswärtiugen Direktoren, Verlegern und Kritikern melden, so daß das Bellevuetheater am Sonntag der Treffpunkt vieler Tonangebender der Bühnenwelt sein wird.


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„Pommersche Zeitung” vom 5.10.1907
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„Pommersche Zeitung” vom 6.10.1907

„Pommersche Zeitung” vom 6.Oktober 1907:

Wie schon wiederholt mitgeteilt, findet im Bellevuetheater am morgigen Sonntag Abend die Uraufführung von „Seine Hoheit”, Lustspiel in 3 Akten von Freiherrn von Schlicht und Walter Turszinsky, statt. Außer Freiherrn von Schlicht (Graf Baudissin), der bereits seit 2 Tagen an den letzten Proben teilnimmt, trifft auch heute der zweite Mitverfasser, Walter Turszinsky, aus Berlin zur Premiere hier in Stettin ein. Mit demselben kommt der derzeit populärste Theaterdirektor Berlins, Dr. Martin Zickel vom Lustspielhaus, um „Seine Hoheit” für seine Bühne zu erwerben. Die Regie hat Herr Direktor Gollbach. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte „Seine Hoheit” ein Schlager der diesjährigen Theatersaison werden. Am morgigen Nachmittag geht zu kleinen Preisen „Fräulein Josette — meine Frau” in Szene. Montag geht auf Wunsch bei kleinen Preisen nochmals „Husarenfieber” in Szene und vom Dienstag bis Freitag beherrscht „Seine Hoheit” den Spielplan.


„Pommersche Zeitung” vom 8.Oktober 1907:

Bellevue-Theater.

Seine Hoheit”, Lustspiel in 3 Akten von Freiherrn von Schlicht und Walter Turszinsky, gelangte am gestrigen Abend zur Uraufführung; zu derselben waren, entsprechend der Reklame, nicht nur die Verfasser, sondern auch einige auswärtige Bühnenleiter erschienen, und das Haus war bei geräumten Orchester vollständig ausverkauft. Seit längerer Zeit hat die Direktion des Bellevuetheaters kein besonderes Glück mit ihren Novitäten gehabt, dieselben konnten sich nie lange auf dem Spielplan erhalten, diesem Uebelstand scheint nun abgeholfen zu sein, denn „Seine Hoheit” hatte einen vollen Erfolg zu verzeichnen und dürfte noch oft eine so vergnügte Stimmung im Theater hervorrufen, als am gestrigen Abend. Beide Verfasser sind als Bühnenschriftsteller auch in Stettin nicht mehr unbekannt, und mit dem neuen Werk haben sie gezeigt, wie man arbeiten muß, um die große Masse zu begeistern, sie bieten keine weitverzweigte Handlung, beschäftigen sich auch nicht mit Lösung von Problemen, sondern begnügen sich, eine harmlose Liebesidylle zu schildern, welche sich durch gesunden Humor und geschickten Szenenaufbau auszeichnet und deren besonderer Vorzug darin besteht, daß jede Pikanterie vermieden ist. Die Handlung ist recht einfach: Der Erbprinz Hans Albrecht hat die Freuden der Residenz etwas zu stark genossen, und als die Liebschaft mit einer Künstlerin seine Verlobung mit einer Prinzessin zu beeinträchtigen drohte, verfügte sein Vater, der regierende Fürst v. Totzau-Kremmingen, seine Strafversetzung nach einer kleinen Garnisonstadt und gab ihm in dem Rittmeister von Stein einen strengen Adjutanten mit. Dort findet der Erbprinz in dem Hause des Grafen von Wettborn, dem Kommandeur eines Infanterie-Regiments, freundlichste Aufnahme, die ganze Bevölkerung ist bemüht, „Seiner Hoheit” Unterhaltung zu verschaffen, und der junge Erbprinz vermißt das Residenzleben nicht mehr, er vergißt seine dortige Liaison, aber auch seine bevorstehende Verlobung, denn er hat in der anmutigen Tochter Dagmar des gräflichen Hauses einen treuen Kameraden gefunden. Im vertrauten Verkehr der beiden stellt sich der kleine Gott Amor bald als dritter ein, sie entdecken ihr Herz und schwören sich ewige Treue. Der regierende Fürst trifft ein, er erklärt zwar die Unmöglichkit des Bundes, aber eingedenk seiner eigenen Jugend gibt er schließlich den Segen zur Verbindung des Erbprinzen mit Dagmar. —

Diese harmlose Handlung ist von den Verfassern reizend ausgestattet, und wenn sie auch zeitweise auf die Konvenienz der Hofsitten wenig Rücksicht genommen haben, so bringen sie doch prächtige Charaktere auf die Bühne und bieten für die Darstellung sehr dankbare Rollen.

Der Aufführung kann volle Anerkennung zuerkannt werden. Herr Direktor Gollbach hatte für eine sorgsame Einstudierung gesorgt und besonders die Inszenierung war vornehm und geschmackvoll, die Blumen-Gruppen geschickt arrangiert. Aber auch die Darstellung stand auf der Höhe, ein überaus sympathischer Erbprinz war Herr Schwanneke-Willberg, sein Spiel atmete frische Lebenslust, seine Sprache war edel, eine anmutige Partnerin stand ihm in Frl. Schwarzkopf zur Seite, deren Spiel in einigen Szenen allerdings durch größere Natürlichkeit noch gewonnen hätte, die gräflichen Eltern derselben fanden in Herrn Jannings und Frl. Bünger würdige Vertreter. Herr Heiske war eine gelungene Figur als „Baron v. Scheideck”, der als „notleidender Agrarier” etwas erspart hat, und Herr Reinhold Gollbach stattete den pflichteifrigen sächsischen Reporter Dietrich mit wirksamem Humor aus. Frl. Heintze entledigte sich der Partie der medizinierenden Konstanze mit vieler Liebenswürdigkeit, und drastisch gestaltete Herr Elzer den Hamburger Burschen des Erbprinzen. Mit Anerkennung seien ferner die Herren Willhain (regierender Fürst) und Kiedaisch (Rittmeister v. Stein) genannt. Frl. Kleist als Zofe ließ flottes Spiel vermissen, sie muß in Sprache und Spiel noch viel lernen, um größeren Rollen gerecht werden zu können. Das Resultat des Abends war ein voller Erfolg und kann man „Seine Hoheit” noch viele Wiederholungen prophezeien.
R. O. K.



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„Pommersche Zeitung” vom 26.11.1907

„Pommersche Zeitung” vom 26.November 1907:

Im Bellevuetheater findet morgen die erste Jubiläumsaufführung von „Seine Hoheit” statt bei Anwesenheit der Verfasser Freiherrn von Schlicht und Walter Turszinsky.


„Berliner Börsenzeitung” vom 8.Oktober 1907:

Im Stettiner Bellevuetheater erfolgte vorgestern die seit längerem angekündigte Uraufführung des neuen Lustspiels „Seine Hoheit” von Frhrn. v. Schlicht und Walter Turszinsky. Bei gediegener Inszenierung und großenteils guter Darstellung fand das Stück den lebhaftesten Beifall des ausverkauften Hauses, den es im wesentlichen wohl weniger seinem Spannungsgehalt, als seinem warmen Humor und dem „gefühlvollen” Inhalt verdankte: wie ein Erbprinz, strafweise in eine kleine Garnison versetzt, nach den wechselnden Genüssen der Residenz nun echte Liebe kennen lernt und seine erkorene, eine einfache Komtesse, auch wirklich heimführen kann, dank seiner eigenen Energie und dank dem vermittelnden Eingreifen eines alten Onkels. Das Ganze ist geschickt und flott geführt.


„Hamburger Fremdenblatt” vom 9.Oktober 1907:

Auswärtige Theater.
(Eigene Berichte.)

Stettin, 7.Oktober.          

Im Bellevuetheater fand gestern die Uraufführung des Lustspiels „Seine Hoheit” von Frhrn. v. Schlicht und Walther Turszinsky statt. „Neue Pfade” betreten darin die Herren Autoren in keiner Weise, im Gegenteil sind es zumeist alte liebe Bekannte, die wir begrüßen: der Erbprinz, etwas naiv, doch seelengut, und die einfache, muntere Komteß, die Tochter des Obersten beim Regiment, zu welchem der Erbprinz „strafversetzt” ist — zwei liebenswürdige Menschenkinder, die sich aneinander schließen in Freundschaft, wie sie glauben, in Liebe, wie sie später entdecken. Aber sie, Dagmar, hält die Vereinigung für aussichtslos und will entsagen, damit der Erbprinz die Prinzessin Olga heiratet, wie sein Vater es wünscht und worauf sein (äußerlich) grimmiger Adjutant immer hindrängt. Allein dieser Erbprinz erweist sich, was man nicht vermuten sollte, aus härterem Holze, denn üblich, geschnitzt und will lieber auf den Duodezthron verzichten, denn auf Dagmars Besitz, und so gibt der regierende Fürst schließlich seine Einwilligung zur Heirat. Das Ganze ist fein und sauber ausgeführt, mit einem starken Appell an das Gemüt. Die Aufführung war im allgemeinen angemessen, die Inszenierung glänzend; die Regie führte Direktor Gollbach.

R.S.          


„Bühne und Welt” Jahrgg. 1907/08, Seite 216:

Stettin.

Die Saison ist in vollem Gange, überall ein Hasten und Jagen nach Erfolg. Stadttheater und Bellevuetheater suchen sich gegenseitig den Rang abzulaufen. Das „Geschäft” der beiden kann nicht sehr blühen, es sind für das Stettiner Publikum zuviel der künstlerischen Darbietungen — namentlich auf dem Gebiet der Musik, der Konzerte. Das Bellevuetheater kündigt die 100. Aufführung des „Husarenfieber” an, das Stadttheater brachte Henry Bernsteins „Dieb” auf die Bretter, da kommt das Bellevuetheater mit gleich zwei Uraufführungen innerhalb drei Wochen! Am 6. Oktober hatte es einen echten Lustspielerfolg mit der Komödie „Seine Hoheit”, als deren Verfasser Walter Turszinsky und Freiherr von Schlicht zeichnen. Getreu dem Spruche „Lasset uns das Leben genießen” hat „Seine Hoheit”, der Erbprinz eines kleinen süddeutschen Staates, das Leben in vollen Zügen genossen, und zwar in der Residenz. Eine von seinem Vater beabsichtigte Verlobung „Seiner Hoheit” mit einer Prinzessin scheint nicht die Zustimmung „Seiner Hoheit” zu finden, und deshalb wird der Erbprinz nach einer kleinen Garnison versetzt, wo er mit aufrichtiger Courtoisie und ehrlichem Bedauern aufgenommen wird. Doch die Jugend kennt keinen Trübsinn. Der Erbprinz lernt die Tochter des Obersten seines Infanterie­regiments kennen und — er kam, sah und siegte. Da schneit die Figur des Fürsten, der auf sofortigen Abschluß der von ihm gewünschten Verlobung drängt, herein, es droht, dramatisch zu werden. Doch wozu hat man denn einen Onkel? Na also! Dieser erinnert den Fürsten an seine einstige Jugendliebe während der Studienzeit, die er aus Gründen der Thronfolge aufgeben mußte. Und schließlich stellt es sich heraus, daß die Jugendliebe des Fürsten die Mutter der Jugendliebe „Seiner Hoheit” ist. Der Fürst wird weich, gibt nach, die Verlobung des Erbprinzen mit der Tochter des Obersten ist perfekt und sie „kriegen” sich.

Die Personen sind in altbekannter Weise gezeichnet, ganz nach G. von Mosers Rezept. Der Plauderton ist außerordentlich frisch, der Humor sonnig, ohne alle Zweideutigkeiten. So konnten die beiden persönlich anwesenden Autoren wohl zehnmal an die Rampe treten.

W. M-r.          


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© Karlheinz Everts