Aufführung des Fürstl. Theaters Rudolstadt in Jena |
4., 16.Okt. 1903, 2., 6., 15.Jan., 25.Febr. 1911 |
Besetzungsliste: | ||
| 1903 | 1911 | |
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Fabrikant Wiedebrecht.
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Siegfried Bruck |
Herr Dir. Horwitz |
„Jenaische Zeitung” vom 3.Jan. 1911:
Jena, 2.Jan. (Stadttheater.)
Im Abonnement A. 17 geht am Dienstag zum ersten Male eines unserer schönsten deutschen Lustspiele: „Im bunten Rock” in Szene. Dasreizende Stück, welches aus der Feder der beiden berühmten Schriftsteller Franz v. Schönthan und Freiherr v. Schlicht stammt, hat nicht nur einen äußerst genußreichen literarischen Wert, sondern ist auch reich an überlustigen Szenen. „Im bunten Rock” steht alljährlich auf dem Spielplan aller ersten Hof- und Stadttheater und wird auch bei uns unter der vorzüglichen Einstudierung des Herrn Direktor Horwitz großen Beifall finden.
„Im bunten Rock” erlebte auch im Residenztheater Weimar unter Leitung des Herrn Direktor Horwitz vorigen Sommer mehrere Aufführungen, welchen der Autor Freiherr von Schlicht persönlich beiwohnte; er war über die Aufführung so entzückt, daß er an die Direktion ein größeres Dankschreiben richtete, das wir auch seinerzeit in unserer Zeitung zum Abdruck brachten.
„Jenaische Zeitung” vom 6.Jan. 1911:
Jena, 5. Jan.
(Aus dem Bureau des Stadttheaters.) Zum zweiten Male und zwar im Abonn. C. Nr. 16 geht morgen Freitag das schöne Lustspiel: „Im bunten Rock”, welches bei der ersten Aufführung am Dienstag einen äußerst großen Erfolg erzielte, in Scene.
Jena, 3.Jan.
„Im bunten Rock”, Lustspiel in 3 Akten von Franz v. Schönthan und Frhrn. von Schlicht. Rezept: Man mische ein paar Stücke wie „Militärfromm”, „O diese Leutnants” und „Veilchenfresser” gut durcheinander, und setze Schlichtschen Humor und Schönthansche Bühnenroutine hiezu, so erhält man ein unterhaltendes, liebenswürdiges Lustspiel, dem die Verfasser den Titel „Im bunten Rock” gegeben haben. Der Inhalt ist, in wenig Worten ausgedrückt, ein Liebeswerben um eine verwitwete Dollarkönigin. Um diese Haupthandlung gruppieren sich eine Anzahl kleiner lustiger Episoden, die, obwohl größtenteils nicht mehr ganz neu, doch in ein so lustiges Gewand gekleidet sind, daß sie den Zweck, dem Publikum einen unterhaltenden Theaterabend zu bieten, voll erfüllen. Die Aufführung war gut vorbereitet und zeigte das Schauspielensemble, das unter der Ungunst der Verhältnisse leider hier gar nicht in dem Maße, wie wir es wünschen möchten, zur Geltung kommt, wieder auf erfreulicher Höhe.
Vor allem bot Frl. Lentz (Anny) eine ganz vorzügliche Leistung. Mit einer schönen äußeren Erscheinung verband sie soviel Laune und wußte das Deutsch-amerikanisch so neckisch wiederzugeben, daß man ihr aufrichtigen Beifall spenden konnte. Auch Herr Hensel (Hans) spielte wieder recht natürlich. Herr Keister (Victor) hielt sich anerkennenswerter Weise von der Schablone, mit der die preußischen Theaterleutnants gewöhnlich dargestellt zu werden pflegen, frei. Herr Süßenguth (von Gollwitz) gab seiner Rolle den Anstrich von etwas derb Komischem und ließ besonders in der Sprechweise den eleganten Kavalier und Plauderer vermissen. Herr Direktor Horwitz (Wiedebrecht) war von köstlichem Humor in der Besorgnis um sein geliebtes Hänschen, den Herr Martini (Krause) in einer den echten Kasernenton abgelauschten Weise drillte und „zwiebelte”. Von den übrigen Darstellern seien noch Frl. Lotter als munteres Soldatenkind (Betty), Herr Eggers (v.Troßbach), der hoffentlich in Zukunft eine etwas passendere Mütze im reichen Fundus des Stadttheaters finden wird, Fr. Roegen und Herr Hold mit einem Gesamtlob bedacht.
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© Karlheinz Everts