Im bunten Rock

Lustspiel in drei Akten

von

Franz von Schönthan und Freiherr von Schlicht


Aufführung im Stadttheater zu Baden

am

13., 14., 22. Dez. 1902, 5.Jan., 7.Feb., 9.März 1903


Besetzungsliste:

Fabrikant Wiedebrecht.
Hans, sein Sohn.
Missis Anny Clarkson, seine Nichte.
Leutnant Victor von Hohenegg.
Betty von Hohenegg, dessen Schwester.
Paul von Gollwitz, Assessor a.D.
Exzellenz von Troßbach, Divisions-Kommandeur.
Sergeant Krause.
Jeanette

Herr Verstl
Herr Roland
Frl. Sewaroff
Herr Tiller
Frl. Reinhart
Herr Erl
Herr Freidberg
Herr Brandl
Frl. Herma


„Badener Zeitung Nr. 99 vom 10.Dez. 1902:

Stadttheater in Baden — Repertoire.
Mittwoch, den 10.d.M.: „Gräfin Fritzi”
Donnerstag: „Die Kreuzwegstürmer”
Freitag: Geschlossen.
Samstag (Zum erstenmale): „Im bunten Rock”, Lustspiel in drei Aufzügen von F.v.Schönthan und Freiherrn von Schlicht.


„Badener Zeitung Nr. 100 vom 13.Dez. 1902:

Lokal-Nachrichten —
Vom Theater. Heute Samstag findet die Premiere des vortrefflichen Lustspieles „Im bunten Rock” von Schönthan und Schlicht statt. Der Erfolg dieses Bühnenwerkes hat am Deutschen Volkstheater [in Wien] eine mächtige Reihe von Wiederholungen nach sich gezogen und wird sicherlich auch in Baden eine nachhaltige Wirkung erzielen.


„Badener Zeitung Nr. 101 vom 17.Dez. 1902:

Stadttheater in Baden —
Samstag, den 13.d.M. (Zum erstenmale): „Im bunten Rock”. Wieder eine Novität. In der Zeit vor Weihnachten die dritte! Man sieht, Direktor Schreiber sucht sein Publikum bei guter Laune zu erhalten. Leider zeigte das Haus bei der Premiere einen beängstigend leeren Anblick, obwohl dem Lustspiel der Firma Schönthan-Schlicht ein recht angenehmer Ruf vorangegangen. Neuheiten enthält das Stück zwar wenig, einige Szenen erinnern an „Ihr Korporal” und „Die dritte Eskadron”, aber wir sehen eine allerliebste, deutschradebrechende Amarikanerin, die Witwe eines millionenreichen Kupferkönigs, die eigens nach Berlin gekommen ist, um sich für ihr prachtvolles mit allen möglichen europäischen Herrlichkeiten eingerichtetes Palais „drüben” nun auch einen europäischen Gatten zu suchen. Diesen findet sie auch schließlich in der Person des preußischen Lieutenants Viktor von Hohenegg, nur mit dem Unterschied, daß er den bunten Rock nicht auszieht und die Amerikanerin sich wohl bequemen muß, „herüben” zu bleiben.

Um diese beiden Hauptfiguren des Stückes gruppieren sich noch ein zärtlicher Vater, der Fabrikant Wiedebrecht, der seinem Sohne die Hand der amerikanischen Kousine zuschanzen möchte; der Sohn selbst, der Dank der Protektion der umworbenen Kousine die Lasten des Einjährigendienstes leichter trägt, dann die Schwester des preußischen Lieutenants, ein in militärischen Angelegenheiten unheimlich bewandertes Fräulein, das schließlich den Einjährigen bekommt, ein windiger Assessor, ein sogenanntes Mädel für alles, ein bärbeißiger Sergeant und einige nebensächliche Figuren.

Mit der Amerikanerin, der Mistreß Anny Clarkson, hat Fräulein Sewaroff wieder eine schöne Probe ihres künstlerischen Könnens gegeben. Die sprachlich einer jeden Schauspielerin gewiß große Schwierigkeiten bereitende Rolle wurde von Fräulein Sewaroff mit einer Leichtigkeit und Sicherheit wiedergegeben, die unserer so vielseitig verwendbaren Sentimentalen das glänzendste Zeugnis ausstellen. Erwähnt muß auch werden, daß Fräulein Sewaroff in ihren prachtvollen Toiletten, hervorgegangen aus dem hiesigen Damenkleidersalon der Frau Leopoldine Geyer, wirklich entzückend aussah.

Auch Fräulein Reinhart verdient als Betty von Hohenegg alle Anerkennung.

Eine hübsche Leistung bot Herr Tiller als Lieutenant von Hohenegg, wenngleich konstatiert werden muß, daß die ernsten Momente ihm entschieden besser gelangen, als der Schwerenöterton. Einen schönen Erfolg kann auch Herr Brandl mit seinem Sergeanten Krause verzeichnen.

Sehr brav spielten ferner noch die Herren Verstl (Fabrikant Wiedebrecht), Roland (Hans Wiedebrecht), letzterer verfügt überhaupt über sehr beachtenswerte schauspielerische Kenntnisse, Herr Erl (Assessor Paul von Gollwitz) und Friedberg (Exzellenz von Troßbach). In der winzigen Episode wäre noch Fräulein Herma (Zofe Jeanette) zu erwähnen.
Gustav Calliano.


„Badener Zeitung Nr. 103 vom 24.Dez. 1902:

Stadttheater in Baden —
Sonntag, den 14.d.M.: "Im bunten Rock". Wiederholungs-Vorstellung bei gutem Besuch.


„Badener Zeitung Nr. 2 vom 7.Jan. 1903:

Stadttheater in Baden —
Montag, den 5.d.M. "Im bunten Rock", Wiederholung.
Gustav Calliano.


„Badener Zeitung Nr. 3 vom 10.Jan. 1903:

Stadttheater in Baden —
Montag, den 5.d.M.: "Im bunten Rock".

Die vier vorhergegangenen beinahe ausverkauften Vorstellungen der letzten Tage beeinflußten - wie nicht anders zu erwarten - den Besuch des hübschen Lustspieles. Unser ständiges Theaterpublikum rekrutiert sich eben aus engbegrenzten Gesellschaftsklassen, das sich, wie bekannt, eher zum Minus als zum Plus neigt, und an Wochentagen ist kein weiterer fremder Zulauf zu erwarten. Hätte unsere Direktion bei der Wahl des Repertoires immer mit diesen Tatsachen gerechnet, so wäre vielleicht noch ein gewisser Ausgleich möglich geworden, der wenigstens das eine Gute gehabt hätte, daß die Theaterlust nicht ganz erstorben wäre. So aber müssen die Darsteller bei zumeist leerem Hause spielen, und daß sich die Zuschauer dabei auch nicht sonderlich für Zweck und Sache erwärmen, erscheint begreiflich. Unter diesem Eindrucke litt auch die diesmalige Wiederholung der Komödie, welche einen weit besseren Besuch wohl aufgewiesen hätte, wenn einer der Hauptdarsteller mehr Interesse für sich in Anspruch nehmen könnte. Was nützt die schöne und sehr schwierige Leistung des Fräuleins Sewaroff, wenn dieser Mistreß Anny Clarkson kein ebenbürtiger Rivale gegenübersteht. Bei aller Hochachtung vor Herrn Tiller's vielversprechendem Talente mußjedermann zugeben, daß er seiner Aufgabe als Lieutnant Viktor von Hohenegg schauspielerisch noch lange nicht gewachsen. Wenn nach dem kühnen Ausspruche seiner Bühnenschwester die Besichtigung des Kolosseums in Rom bei Mondbeleuchtung und die Kurschneiderei eines preußischen Lieutenants in Berlin zu den größten Genüssen gehören, die einer Amerikanerin in Europa geboten werden können, so würde diese Mädchenillusion bei näherer Betrachtung des Tiller-Lieutenants nicht eine Stunde andauern. Die Rücksicht, die bei der Premiere des Lustspieles für diesen Inhaber des bunten Rockes geübt wurde, war daher nicht am Platze und die Hoffnung auf eine Besserung bei den Wiederholungen eine recht trügerische.

Von allen übrigen Mitwirkenden kann man nur sagen, daß diese wirklich recht "flott" spielten und daß insbesondere Herr Verstl (Fabrikant Wiedebrecht), Herr Erl (Assessor von Gollwitz) und Herr Brandl als Sergeant Krause, nebstbei gesagt in vorzüglicher Maske, hervorragende Erwähnung verdienen.

Auch Fräulein Reinhard gab die Lieutenantsschwester diesmal recht nett. Fräulein Frank sprang in letzter Minute für das erkrankte Fräulein Herma ein und entledigte sich der kleinen aber hübschen Rolle mit vielem Geschick.
Gustav Calliano.


„Badener Zeitung Nr. 12 vom 11.Feb. 1903:

Stadttheater in Baden
Samstag, den 7.d.M.: "Im bunten Rock".

Trotz des am selben Abend stattfindenden Balles der Stadt Baden und zweier anderweitiger Veranstaltungen wies das Theater nicht einmal den schlechten Besuch auf, den man eigentlich bestimmt erwartete. Auch das Animo ließ nichts zu wünschen übrig und die recht gute Vorstellung erwarb sich den Dank des beifallslustigen Publikums.


„Badener Zeitung Nr. 20 vom 11.März 1903:

Stadttheater in Baden
Montag, den 9.d.M. "Im bunten Rock".

Das gute Lustspiel der Kompagnie-Dichterfirma Schönthan-Schlicht gab wieder dem Frl. Sewaroff volle Gelegenheit, als Mistreß Anny Clarkson zu glänzen. Frl. Reinhard (Betty v. Hohenegg) und Herr Tiller (Lieutenant Hohenegg) boten weiteres bedeutend bessere Leistungen, als bei den früheren Wiederholungen.
Gustav Calliano.



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© Karlheinz Everts